08. Mai 2020 | Endlich wiedervereint!

Amsel, Drossel, Fink und Ringo Starr

Von der Öffentlichkeit unbemerkt, planen die berühmtesten Singvögel der Gegenwart das wohl sensationellste Comeback der Popgeschichte. 50 Jahre nach dem Erscheinen von Let it Be bringen sie erstmals wieder ein Album heraus. Beinahe droht das Projekt zu scheitern.

Von Ted Schlegel

Endlich wiedervereint: Amsel, Drossel, Fink und Ringo Starr.

Ein nassgrauer Wintertag mitten im Januar. Heimlich, still und leise nisten sich vier Vögel in ein altes abgelegenes Tonstudio am Rande von Liverpool ein: Die Amsel, die Drossel, der Fink und der Star. Ihr Vorhaben: Ein Album mit zwölf nagelneuen Songs.

Anfangs sprudeln die vier nur so vor Ideen und Tatendrang. Bereits nach kurzer Zeit sind die ersten Aufnahmen fertig eingespielt. Es scheint, als haben sie sich nichts sehnlicher gewünscht, als wieder gemeinsam zu musizieren. Doch mit der Federleichtigkeit der ersten Tage ist es schneller vorbei, als alle Beteiligten vermuten.

Je näher die Fertigstellung des Albums rückt, umso deutlicher treten längst überwunden geglaubte Differenzen zum Vorschein. Vor allem der Star entpuppt sich zusehends als schlechter Teamplayer. Mal sind ihm die Einfälle der Amsel zu uninspiriert, mal die Arrangements des Finks zu wenig innovativ. Oder ihm schmeckt einfach das Vogelfutter nicht.

Wenige Wochen vor dem anvisierten Veröffentlichungstermin droht das Vorhaben endgültig zu scheitern. Der Streit eskaliert. Sichtlich genervt bricht der Star die Aufnahmesession ab und verläßt das Studio. Per Textnachricht wird er später seinen Ausstieg verkünden.

"Ich hatte, auf gut deutsch gesagt, den Schnabel voll. Die ständigen Streitereien und haarsträubenden musikalischen Defizite der anderen kosteten enorm viele Körner", resümiert er später auf eine Anfrage von hanx. "Ich hatte einfach keinen Bock mehr auf den Scheiß', die ganze Vogelschar und so. Aus einer gewissen Flughöhe betrachtet, musste selbst der Dümmste erkennen, dass die Chemie überhaupt nicht stimmte."

Amsel, Drossel und Fink sind geschockt. Das Projekt steht vor dem Aus. Ohne den Star rückt ein Comeback in unerreichbare Ferne.

Es ist die Amsel, die mit einem genialen Einfall buchstäblich in letzter Minute alles retten wird.

"Sie spielten im Radio gerade Yellow Submarine und da erinnerte ich mich an unseren alten Freund und Weggefährten Ringo Starr. Ringo war seinerzeit Schlagzeuger bei den Beatles - ebenfalls keine unbekannte Band. In jenen Jahren hat Ringo bewiesen, dass er sein Handwerk versteht. Und sein Nachname war wie geschaffen für unsere Formation."

Fest entschlossen greift die Amsel zum Telefon und wählt Ringos Nummer. Und Ringo? Der hebt ab und hört sich an, was die Amsel zu sagen hat. Ohne viel Federlesens sagt er auf der Stelle zu. Drossel und Fink sind wie aus dem Vogelhäuschen, als die Amsel die frohe Botschaft überbringt.

Keine vierundzwanzig Stunden später klopft es an die Tonstudiotür. Freudiges Gezwitscher: Es ist Ringo. Nach einem kurzem "Hallo" legen die vier sofort los. Bloß keine weitere Zeit mehr verlieren!

Das Zusammenspiel klappt außerordentlich gut, Ringo trommelt wie in besten Tagen. "Es war schon erstaunlich, wie schnell und perfekt wir miteinander harmonierten", wird später die Amsel sagen. "Als wäre Ringo schon immer der Star gewesen."

In nur zehn Tagen ist die Produktion abgeschlossen. Zufrieden verlassen Amsel, Drossel, Fink und Ringo Starr das Studio. Das Comeback kann wie geplant starten.

Unter dem Titel "Let it Retweet" erscheint heute das neue Album pünktlich zum großen Jubiläum.

Ringo Starr bei Markus Lanz

Noch vor Erscheinen des Albums ist es Markus Lanz gelungen, Ringo Starr in seine Talkshow "Markus Lanz" (ZDF) zu lotsen. Weitere Gäste des Abends: Der Politiker Christian Lindner (FDP) und der LKW-Fahrer Ewald Moppke. Aufgrund einer Bronchitis musste Moppke jedoch kurzfristig absagen.

Markus Lanz: Herzlich willkommen zu unserer Sendung, die eine besondere Sendung zu werden verspricht.

Stille im Publikum

Markus Lanz: Ringo, darf ich Dir gratulieren zu diesem großartigen Comeback? In die Runde zwinkernd: Wir haben vor der Sendung vereinbart, uns zu duzen.

Ringo: Sie dürfen!

Markus Lanz: Also Ringo, Gratulation zu diesem großartigen Comeback!

Ringo (lächelt): Vielen Dank!

Markus Lanz: Stefan Remmler sagte mal den schönen Satz: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Ich habe mir den Satz etliche Male durch den Kopf gehen lassen und dabei ist mir folgender Gedanke gekommen: Dieser schöne Satz, Ringo, trifft wunderbar auch auf eure Geschichte zu.

Ringo: Nun ja... Ich kenne zwar nicht diesen Stefan... ähm... Rammler?

Markus Lanz (kichert): Remmler!

Ringo: Gut... diesen Stefan Remmler. Aber ja, kann man durchaus so sehen.

Markus Lanz: Remmler war Sänger der deutschen Kult-Band Trio. NDW! Neue Deutsche Welle! Sommersprossen! Hurra, hurra, die Schule brennt. Ich will Spaß!
Frech, fröhlich, schräg! Das Gefühl einer ganzen Generation! Fegte den Schlagermuff aus den deutschen Wohnzimmern. Absolutes Neuland und sehr erfrischend... "

Christian Lindner: Herr Lanz, mit Verlaub...

Markus Lanz: Geduld, Herr Lindner! Sie kommen später noch zu Wort (Anmerkung der Redaktion: Lanz und Lindner trafen vor der Sendung offenbar keine Vereinbarung, sich zu duzen)

Markus Lanz: Um jetzt mal den ganz großen Bogen zu spannen... Ringo, unser Publikum brennt natürlich darauf, zu erfahren, was in Dir vorging, als die Amsel Dich anrief.

Ringo: Ooch... gar nix besonderes. Mitmachen war für mich Ehrensache! Keine Frage! Das war ich den Jungs.. ähm den Vögeln einfach schuldig. Wir Beatles hatten ja schon immer ein sehr kollegiales Verhältnis zu ihnen, besonders zur Amsel. Nicht von ungefähr schrieb Paul McCartney den Song Blackbird (Anmerkung der Redaktion: Blackbird erschien 1968 auf dem "Weißen Album" der Beatles).

Markus Lanz: Man munkelt aber auch: Ihr habt nicht nur gearbeitet, sondern es auch ordentlich krachen lassen.

Ringo: Definitv. Es war eine wilde Zeit, wir hatten während der Aufnahmen viel Spaß zusammen - auch hinter den Kulissen. Alkohol floss reichlich. Besonders die Drossel konnte so einiges vertragen. Bier, Wein, zumeist aber Hochprozentiges. Nicht umsonst trägt sie den Namen Schnaps... gut, wem erzähl ich das hier. Kurzum: Wir waren 'ne echt harmonische Truppe.

Nur der Fink tanzte gelegentlich aus der Reihe. Machte so nervige Kinderspäße wie Franck Ribery (Zahnpasta auf die Türklinke, Socken zerschneiden, Steaks mit Blattgold überziehen). Und er konnte verdammt gut Stimmen imitieren. Einmal rief er mich mitten in der Nacht mit verstellter Stimme an. "Hallo Ringo, Jon Bon Jovi hier. Hast Du nicht Lust, bei uns zu trommeln?" Schweißgebadet begann ich zu stottern, bis der Fink lachend und feixend die Sache aufklärte. Dieser Mistfink! Nur seine Witze waren richtig schlecht.

Markus Lanz: Kannst Du unseren Zuschauern eine Kostprobe zum besten geben?

Ringo: Ja. Einer ging so: Was ist der Unterschied zwischen Lady Gaga und Radio Gaga? Na, die Lady ist gar keine Lady aber ein Rädio ist ein Rädio... Absolut nicht lustig, verstehst Du? Er hat entweder die Pointe vermasselt oder die Witze hatten keine Pointe.

Markus Lanz: Herrlich, was Du da so aus dem Nähkästchen plauderst! Ganz großes Kino!

Ringo: Ein anderer: Gehen ein seniler Orthopäde, ein Gefahrengutachter, ein pensionierter Jazz-Musiker, ein Big-Data-Analyst, ein Hobby-Koch, ein Micro-Influencer, eine überqualifizierte Nagelstudiobesitzerin, ein Zebra und ein Ex-Junkie in eine Bar. Sagt der Ex-Junkie zum Zebra: "Wer ging nochmal als Erster rein?"

Markus Lanz: Ja, unsere Sendezeit ist leider auch schon zu Ende. Ich könnte noch stundenlang Ringos Anekdoten lauschen. War wieder eine launige Runde heute. Tut mir leid Herr Lindner, dass sie nicht wie gewohnt zum Zuge gekommen sind. Dafür haben Sie heute das Schlusswort.

Christian Lindner: (leicht beleidigt): Ich möchte nur eins sagen und das mit aller Deutlichkeit: Es ist besser Let it Be nicht zu hören, als Let it Be falsch zu hören! Auf Wiedersehen!

Wollte erst eine Lanze brechen, kam dann kaum zu Wort: Christian Lindner

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